Sonntag, 2. Oktober 2011

National Youth Philharmonic Orchestra of Turkey




Samstag, 1. Oktober 2011

20.00 Uhr

Großer Kursaal

Konzert mit dem
National Youth Philharmonic Orchestra of Turkey

Dirigent: Cem Mansur
Solisten: Mertol Demirelli, Klavier
und Gábor Boldoczki, Trompete

Ferit Tüzün: Turkish Capriccio

Joseph Haydn: Konzert für Trompete

und Orchester in Es-Dur, Hob.VIIe:1

Franz Liszt: Klavierkonzert Nr. 1 in Es-Dur

Anton Dvorák: Sinfonie Nr. 9 in e-Moll, op. 95

Die obige Konzertankündigung ist dem Festivalprogramm entnommen.





Hier mein Bericht:

Wenn in Bad Wörishofen junge Leute im Straßenbild auftauchen, dann .... ist ein Jugendorchester in der Stadt.Nach dem vbw-Festivalorchester war es diesmal die "Nationale Jugendphilharmonie der Türkei".

Die 100 jugendlichen Musiker - der Älteste ist 27 Jahre - begeisterten uns gleich zu Beginn ihres Programmes mit einem "Türkischen Capriccio" von Ferit Tüzüm (1929-1977). Unter dem Dirigenten Cem Mansur zauberten sie ungeahnte Klangfarben hervor. Das von anatolischen Folkloremelodien bestimmte Stück hatte Tüzüm 1956 während seines Studiums in München geschrieben.

Dann betrat Gabor Boldoczki die Bühne. Souverän, aufrecht, strahlend. Die ganze Erscheinung eines Weltklasse-Trompeters.

Das Konzert für Trompete und Orchester von Joseph Haydn in Es-Dur, Hob.Vlle:1 ist ein Bravourstück. Solch ein Trompetenkonzert konnte erst komponiert werden, als die völlig neuen Klappenmechanismen vom Wiener Hoftrompeter Anton Weidinger entwickelt worden waren.

Gabor Boldoczki sei gerne wieder nach Bad Wörishofen gekommen, ließ er uns wissen. Er habe hier liebe Freunde gefunden, als er vor 9 Jahren das erste mal beim Festival der Nationen gespielt hatte.

Das "Wörishofen Magazin" verrät uns gar, dass Boldoczki der Patenonkel der Tochter des Festival Intendanten Winfried Roch ist (ja uns Frauen interessieren solchen menschlichen Verbindungen).

Der ungarische Künstler, der als würdiger Nachfolger von Maurice Andre gehandelt wird, begeisterte uns mit seinem virtuosen Spiel, dabei wirkten die Töne mitunter leicht dahingetupft. Beeindruckend!

Für die Zugabe wechselte er von seiner silbernen B&S Trompete auf eine goldene und schmetterte uns kraftvolle Fanfarenklänge entgegen. Mit begeistertem Applaus wurde Herr Boldoczki verabschiedet.

Nein, noch keine Pause, die Bühne wurde umgebaut, der Flügel in Position gebracht für den 15 (!!!) jährigen Pianisten Mertol Demirelli.

Das Foto aus dem Programm muss schon etwas älter sein, der Bursche jedenfalls nicht wiederzuerkennen. Sorry, nicht nur als dottoressa muss ich sagen, dass kein Jugendlicher solche Leibesfülle haben sollte. Das nur am Rande.

Das Klavierkonzert Nr. 1 in Es-Dur von Franz Liszt begann er etwas nervös, finde ich durchaus sympathisch, wenn man nicht gleich "abgebrüht" dabei ist. Schnell fand er in sein Spiel. Das Orchester und dem sehr umsichtigen, gut führenden Cem Mansur unterstützte den jungen Künstler nach Kräften. Aber auch die hatte ihre Grenzen. Es kam einmal mehr zutage, dass es die Bläser sind, die sehr sensibel den Klang ausmachen können.

Diese Schwächen seien aber verziehen. Es ist ein Jugendorchester, das sich entwickeln wird. Einfach erfrischend anzusehen all die jungen Leute! Ich fühlte mich an das Simon Blivar Youth Orchestra erinnert. Nur haben die mehr Stolz, mehr Haltung, die nochmal ein Mehr an Faszination ausmachen.

Zur Sinfonie Nr. 9 in e-moll, op. 95 "Aus der neuen Welt" von Antonin Dvorak ist nicht viel zu sagen. Bekannt, geliebt und immer wieder neu zu hören.

Für mich immer wieder eine Freude, in die Instrumentengruppen"reinzuhören". Mann kann ja seine Aufmerksamkeit kanalisieren. Schön zu erleben, wie die eine Instrumentengruppe das Thema an die nächste Gruppe weiterreicht.

Die Zugabe von Sibelius Karelia Suite, Alla marcia war ein schwundvoller Abschluss.

Musiker und Zuhören strahlten.

Meine Bitte an den Intendanten wird sein, dieses interessante und unterstützenswerte Orchester doch bitte wieder zum Festival der Nationen einzuladen.

(Mein Hotel bittet mich, das Zimmer zu verlassen... ich muss das hier ohne Korrektur-Lesen posten. Verzeiht die Fehler)

Freitag, 30. September 2011

Festival der Nationen - Wort trifft Musik




Quelle: Festival der Nationen
Freitag, 30. September 2011
20.00 UhrKurtheater

Wort trifft Musik
Bettina von Arnim & Ludwig van Beethoven

Gudrun Landgrebe & Sebastian Knauer, Klavier

Mein Bericht dazu:
Nach einer zweitägigen Konzertpause wurde es langsam wieder Zeit.

So war ich gespannt auf den heutigen Abend. Diesmal war der Aufführungsort das 400 Besucher fassende Kurtheater. 

Die Künstler betraten in schmuckem Schwarz die Bühne. Ein kurzes Kopfneigen, Frau Langrebe nahm auf einem Stuhl neben dem Flügel Platz, Herr Knauer nahm gleich am Flügel Platz. 

Frau Landgrebe fing mit ihrem sehr empfindsam zusammengeschriebenen Text an und baute damit ein emotionales Szenario auf. Mit dem Klavierspiel  wurden die Emotionen einfach aufgegriffen und durch die Musik weiter entwickelt. Eine sehr interessante Erfahrung, nicht quasi von Null aus in das Musikhören einzusteigen, sondern auf die Emotionen des Wortes aufzusetzen.

So habe ich die gut bekannten Beethoven Sonaten diesmal ganz anders gehört. Ich bin kein Musikkritiker, kann nicht beurteilen, wie sehr der Pianist mit seinem Vortrag an Beethovens musikalischer Intention war, kann aber sagen, Knauers Spiel hat mich bewegt.

Während nach dem ersten Satz der  Sonate c-Moll op.10 No 1 noch Applaus einsetzte, wurde nach den folgenden Texten und dem sich anschließenden Klavierspiel klar, dass der Applaus nur stört und wurde unterlassen. Sehr gut. 
Erst mit Abschluss von Text und  Sonate wurde applaudiert. 

Es kamen noch die Sonate d-Moll op. 31 No 2 "Der Sturm" und die Sonate  cis-Moll op. 27 No 2 "Mondschein" zum Vortrag.

Auch nach Applaus von Sebastian Knauer nur eine angedeutete Verbeugung, keine Unterwürfigkeitsgesten oder "Hand auf's Herz". 
Sehr elegant - reserviert möchte ich es nicht nennen – seine Bewegungen auch am Klavier. Der schmucke Herr mit 3 Tage Bart und energischem Kinn nickte allenfalls mal seitwärts mit dem Kopf, sonst kam alle Energie des Spiels aus den Händen. 

Ich mag es eigentlich, wenn ich an der Körpersprache, der Mimik, dem Atem die Emotionen des Künstlers ablesen und miterleben kann, aber erstaunlicherweise vermisste ich das bei Sebastian Knauer nicht.

Frau Landgrebe skizzierte uns die innige Beziehung, die Ludwig von Beethoven mit  Bettina von Arnim, der Schwester von Clemens Brentano verband. Ihre Stimme war sehr deutlich, weich und warm. Wohl genau richtig, um das liebenswerte Wesen von Bettina von Arnim zu vermitteln.

Viele von uns haben Beethoven sicherlich als schroffen, wenig weltgewandten Menschen vor Augen. Bettina sah ihn ganz anders und konnte in Beethoven wohl eine sehr liebenswürdige Seite ansprechen.

Als Lohn für unseren langanhaltenden Applaus gaben die beiden Künstler als Zugabe den Beginn aus ihrem Programm von 2009 von Felix Mendelssohn-Bartholdy und der schwedischen Sopranistin Jenny Lind.
Auch dieser Vortrag sehr zu Herzen gehend.

Die Texte lagen uns leider nicht vor. Zu gerne hätte ich das nochmal nachgelesen.

Trotzdem ein sehr gelungenes Konzept die Emotionen von Wort und Ton miteinander zu verbinden und gegenseitig zu vertiefen.
Vielen Dank dafür!